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+ A.R paintings / 'Caput'

"Prozac! - It´s a good life..."

Mark E. Smith

 

 

 

 

A.R. Sunzi (War of Art), 2018, 200 x 150 cm, Öl auf Leinwand

 

 

 

 

 

 

A.R. Alter Rockstar am Pool, 2018, 130 x 115 cm, Öl auf Leinwand

 

 

 

 

 

 

Die Ausstellung "Caput" (lateinisch für "Kopf") anlässlich der Berlin Art Week 2018 zeigte u.a. einige meiner neuen "A.R. 51" - Gemälde, einer Gruppe von Bildern, die ich aufgrund einiger verschiedener ungewöhnlicher Vorkommnisse rund um meinen Geburtstag gemacht habe. Die meisten dieser Arbeiten enthalten Gesichter mit Augen, oftmals anthropomorph anmutend mit einem ungewöhnlichen Äusseren, kennzeichnend durch den oft seltsamen Ausdruck, vielleicht aus Ärger oder Spaß. Manchmal scheinen sie nach Schwierigkeiten zu suchen. Diese Bilder waren eher unfreiwillig komisch und wirkten, als hätte ich versucht, sie mit der linken Hand zu malen. Aber wie geschieht es einem doch immer wieder: aus der Absicht wird etwas vollkommen anderes! Aus einem hässlichen Entlein wird ein hübsches, anmutiges Fohlen.

 

The exibition "Caput" (Latin for 'head') at the Berlin Art Week in late September/early October 2018 happened to be the first official presentation of my new "A.R. 51" paintings, a group of images I made on the occasion of some strange expieriences surrounding my birthday. Most of these works include the image of some unfamiliar figures, mostly anthropomorph with not convenient expressions, especially with their strange looks, maybe from annoyance or fun. Sometimes they seem to be looking for trouble.These images were rather involuntarily funny and looked as if I had tried to paint them with my left hand. But how does it happen again and again: the intention becomes something else! Sometimes an ugly duckling turns into a pretty, graceful foal.

 

 

 

A.R. Pussy Hut, 2018, 170 x 160 cm, Öl auf Leinwand


 

Carport


Text für die Ausstellung „Caput“
von Claus Brunsmann

Wenn einem nichts einfällt, dann malt man einen Kopf. Wenn Leute sich Bilder ansehen, versuchen sie zuerst einen Kopf oder eine Gestalt zu erkennen.  Besonders bei abstrakten Bildern. Das nervt vor allen Dingen die abstrakten Maler, also die Maler von abstrakten Bildern, dass die Leute immer nach irgendwas wieder Erkennbarem suchen. Dann teilen sie einem auch sofort mit, was sie gefunden haben: „Schau mal hier, ein Kopf. Und das da ist ein kleiner Kopf, der schaut zur Seite, siehst du das?“ -  Wenn man das Wort „Caput“ hört denkt man vielleicht nicht zuerst daran, dass es auf lateinisch „Kopf“ bedeutet sondern man denkt an „kaputt“. Als Maler denkt man vielleicht an die Ölfarbe mit dem unheilschwangerem Namen „Caput mortuum“. Obwohl heutzutage wahrscheinlich nur noch wenige Maler an diese Farbe denken. Die Farbe ist irgendwie vorbei. Ad Acta gelegt, wie der Lateiner sagt. Im Zeitalter von Flipcharts und Facebook sind Farben irgendwie nicht mehr so wichtig. Zumindest die Namen der Farben. Heutzutage haben die Leute Magenta oder Cyan im Kopf, wenn sie an Farben denken.
Wenn ich an Köpfe denke dann denke ich an Köpfe in der Malerei. „Tränenkopf“ heißt ein Bild von Georg Baselitz. Dieser Tränenkopf wurde berühmt, weil er im Buch „Kunst der Gegenwart“ von Klaus Honnef abgebildet war, einer der ersten erfolgreichen Publikationen des Taschen-Verlags. Später sah ich das echte Bild auf der Kunstmesse Art-Cologne. Es ist mittelgroß, also gar nicht so groß im Vergleich zu den Formaten, die dieser Künstler im Gemeinhin verwendet, es ist sogar eher klein, aber auch kein Kleinformat. Der Kopf ist grün und hängt auf dem Kopf, wie bei Baselitz üblich. Die Tränen sehen aus wie Bäume. Das letzte was ich als Maler machen wollte, war einen Kopf zu malen. Kopfmalen ist für Idioten. Selbst „ironische“ Köpfe zu malen war für Idioten. Ich wollte eigentlich überhaupt nichts „Gegenständliches“ malen, nichts Narratives, und ich wollte auch keine Story erzählen, keine illustrative Malerei. Absolut überhaupt nichts Erzählendes! Nichts! Aus! Fertig!
Als dann Neo Rauch kam ging das ganze wieder von vorne los. Dazwischen gab es Tuymans oder Krebber, aber die Bilder hätte man früher als „schlecht“ bezeichnet. In der Zwischenzeit hatte sich die Welt geändert: die Bilder die man früher als schlecht bezeichnet hätte, waren jetzt die guten, und die Bilder die früher angesagt waren, waren jetzt die schlechten. Neo Rauch hätten die meisten zu jeder Zeit als „Guten Maler“ bezeichnet. Aber ich wollte auf keinen Fall einen „guten Maler“ abgeben. Ich wollte aber auch kein „bad painting“ machen, so wie Albert Oehlen, dessen „bad painting“ ich gut fand, als ich die ersten Bilder 1988 bei Max Hetzler in Köln sah. Ich fand die Bilder super, aber erstens konnte ich nicht so gut schlecht malen und zweitens wollte ich das auch nicht nachmachen. Albert Oehlen, der ja wirklich viele gute Bilder gemalt hat, hat mal ein Bild mit dem Titel „Blödkopf“ gemacht. Ein Gesicht was die Zunge rausstreckt. Das war nicht mein Lieblingsbild (er hat wesentlich bessere gemacht!) aber der Titel passt zum Thema. Köpfe malen ist einfach blöd und ich wollte niemals Köpfe malen. Ich wollte Bilder malen, die „schön“ sind. Jetzt mal mal ein schönes Bild! - Ohne sogenanntes „narrative“ geht das nicht. Das vordergründig Schöne ist oftmals nicht schön, sondern kitschig. Das was die meisten Leute unter schön verstehen, finde ich scheiße. Oder langweilig. Wenn ein Bild formal nicht funktioniert, wie zum Beispiel, wenn ein Idiot ein schönes Bild malen will und es kommt ein blödes Bild dabei heraus, dann ist das langweilig. Uninteressant. Man guckt sich das nicht an. Ein Bild mit einem Kopf drauf (und das hat ja was mit diesem Ausstellungstitel zu tun) - also ein Bild mit einem Kopf drauf - will angeguckt werden. Deswegen ist es aber noch lange kein gutes Bild. Es ist vielleicht nicht automatisch ein schlechtes Bild nur weil ein Kopf drauf ist, aber es ist deswegen noch lange kein gutes, nur weil es dich vielleicht anguckt, mit seinem Kopf drauf.
Man hätte die Ausstellung auch „Carport“ nennen können. Ein Carport ist eine Garage für Arme. Das bringt´s wiederum in die Nähe einer modernen Auffassung von Malerei. Man könnte sagen: moderne Malerei ist ein Carport für Arme. Das wäre lustig und inspirierend. Ein Geheimnis von gelungenen Bildern ist, dass sie einen Widerspruch in sich selbst enthalten, also irgendwas schräges, unverständliches. Das wusste schon Marc Bolan von T-Rex, als er seinen Song „Metal Guru“ genannt hat (1972). Im lateinischen gibt’s ja nicht nur das Wort „caput“ sondern auch den Term „contradictio in adiecto“, also der Widerspruch innerhalb eines Begriffs. Wir sind beinahe so weit, dass ein schönes Bild bereits eine contradictio in adiectio darstellt. Soweit sind wir schon gekommen mit unserer Moderne! Ich bin deswegen aber nicht zu einem Konservativem geworden. Ich war schon immer einer, was das Medium betrifft, Öl auf Leinwand. Aber ich war nie einer was das Denken betrifft.
Nun muss der „gute“ Maler „und von einem guten Maler kann man sich ja eigentlich alles abschauen, wie die leben, wie gute Maler leben!“, wie Rainald Goetz in seinem Stück „Katarakt“ schreibt, gute Maler müssen sich also darüber im Klaren sein, wie das so ist mit dem Kopf. Der gute Maler muss seinen Kopf schützen. So wie ein Boxer. Ein guter Maler parkt seinen Kopf im Carport, könnte man vielleicht sagen. Da ist er halbwegs sicher. Ich rede hier natürlich nur von modernen Malern. Für mich persönlich ist die Moderne vorbei. Ich habe mich nie als einen modernen Maler gesehen. Moderne Maler sind schlaue Maler und schlaue Maler sind doofe Maler.

So ist das nun mal.

 

 

A.R. Alter Äther-Mann, 2018, 150 x 100 cm, Öl und Reste auf Leinwand

 

 

Carport


An Introduction to the exhibition "Caput"
by Claus Brunsmann

If you have no ideas, you paint a head. When you hear the word ‚Caput', you may not think at first that it means ‚head’ in Latin language, because it sounds like the german word for broken: kaputt. It is ambiguous. But as a painter you might also think of an oil color with the ominous name Caput Mortuum. Although today only a few painters think about this particular color. This color is gone. Dead and buried, Ad Acta, as they say in Latin language. In the age of flipcharts and Facebook, colors are somehow not that important anymore. At least the names of the colors. Nowadays people have magenta or cyan in their minds when they think of colors.
When I think of heads, I think of heads in painting. ‚Tränenkopf’ (Tear-Head) is the name of a picture by Georg Baselitz. This tearhead became famous because it was depicted in the book „Kunst der Gegenwart“ (Art of the present time) by german art critic Klaus Honnef, one of the first successful publications by Taschen-publishers. Later, I saw the real picture at the art fair Art-Cologne. It's medium in size, so not that big compared to the formats this artist normally uses, it's actually rather small, but on the other hand not a small format. The head is green and hangs upside down, as usual with Baselitz. The tears look like trees. The last thing I wanted to do as a painter was to paint a head. Head painting is for idiots. Even to paint ‚ironic’ heads was for idiots I thought. I did not really want to paint anything ‚representational’, nothing narrative, and I did not want to tell a story, not an illustrative painting. Absolutely nothing narrative! Nothing! Finished! Over and out! When the East German painter Neo Rauch came up, the whole story started from scratch. In between, there were painters like Tuymans or Krebber, but their paintings would have been called ‚bad’ before. In the meantime, the world had changed: the pictures you used to call bad were now the good ones, and the pictures that were called good in the past were now the bad ones. Neo Rauch would have called a ‚good painter’ at all times. But I did not want to be a ‚good painter‘. But I also did not want to do ‚bad painting‘, like Albert Oehlen, whose ‚bad painting‘ style I liked, when I saw the first pictures in 1988 at Max Hetzler gallery in Cologne. I thought those paintings were great, but I could not manage to paint that bad on purpose and secondly I did not want to imitate him. Albert Oehlen, who really painted a lot of great pictures, once made a painting called ‚Blödkopf‘ (dumb-head). A head that sticks out it´s tongue. That was not my favorite painting (he did a lot better!) but the title fits the theme. Painting heads is just stupid and I never wanted to paint heads. I wanted to paint pictures that are ‚beautiful‘. Let´s have a nice picture! - But without a so-called ‚narrative’ that does not work. The superficial beauty is often not beautiful, but cheesy. What most people understand as beautiful, I call shit. Or boring. If a picture does not work formally, such as, if an idiot wants to paint a beautiful picture and it comes out a stupid picture, then it is boring. Not interesting. You do not look at it. A picture with a head on (and that has something to do with this exhibition title) - is like a picture with a hard-on - it wants to be looked at. But therefore it's still not a good painting. It may not be a bad picture just because it has a head on it, but it's still not a good one just because it looks at you with its head painted on. One could have called the exhibition ‚Carport‘ as well. A carport is a garage for the poor. This, in turn, brings us closer to the modern conception of painting. You could say that modern painting is a carport for the poor. That would be funny and inspiring. A secret of successful pictures is that they contain a contradiction in themselves, something weird, incomprehensible. Marc Bolan from T-Rex already knew this when he called a song ‚Metal Guru’ (1972). In Latin language, there is not only the word ‚caput’ but also the term ‚contradictio in adiecto’, ie the contradiction within a concept.  We are almost came to the point where a beautiful picture is already a contradiction in itself. This far we have come. So far we have come with our modernism! I am therefore not become a conservative. I have always been one in terms of the medium, oil on canvas. But I was never a conservative in terms of thinking.
Now ‚You can learn anything from a good painter. How to live, how great painters live!’ as the famous german author Rainald Goetz writes in his book ‚Cataract‘.
Good painters must therefore be aware of how it works with the head. The good painter has to protect his head. Like a boxer. A good painter parks his head in the carport, you might say. There it is halfway safe. Of course I'm only talking about modern painters here. For me personally, the modern age is over. I never saw myself as a modern painter. Modern painters are clever painters and clever painters are bad painters.
That's how it is.

 

 

 

 

A.R. Gender in Renaissancelandschaft, 2018, 200 x 150 cm, Öl auf Leinwand

 

 

 

 

 

 

 

A.R. Morphium, 2017, 101,6 x 76,2 cm, Öl auf Leinwand

 

 

 

 

 
A.R. Bart und Garten, 2018, 110 x 90 cm, Öl auf Leinwand

 

 

 

 

 

 

A.R. Angst von Braun, 2017, 130 x 115 cm, Öl auf Leinwand

 

 

 

 

 

 

 

Poster for Caput exibition by Claus Brunsmann

 

 

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